Steil aufgestellt die Augenbraue,
das weite Blau nüchtern überschauend,
der Kapitän sich am Ruder glaubet.Doch die Welle bricht, es zuckt das Lid,
eine Millisekunde der Kontrolle entfliehnd,
als die See die Entscheidung fiel.Denn die Auszeit vom Reiten der Wellen ist,
nur zu finden in Gefilden weit unter der Gischt,
wo man sich dem allumfassenden Sog hingibt
und die Atemlosigkeit ihr Regime antritt.Kuss des Ozeans
Vor einer Wegkreuzung stehend, lässt das Herz den Verstand in dem blinden Glauben, die Richtung vorzugeben.
Some go fast and some go slow,
some come fast and some don’t show.Long and stiff,
on you I sit.It’s so warm inside of you
and tonight there’s more than two.There’s a kid screaming.
I hope I’m dreaming.Riding Trains
Hah, got you there!
Schnellzug
So wie die Felder nah der Gleise vorbeifliegen und die Hügel am Horizont still zu stehen scheinen, die Hügel aber nach wenigen Minuten unwiderruflich hinter mir liegen, während die Felder bleiben; so wie die Gleise dem Zug lateral nur wenige Millimeter Freiheit geben, ihm frontal aber Kontinente eröffnen; so wie mein Blick freien Willens ist, über jedes Objekt im Blickfeld zu schweifen, oder sich stattdessen der Farbe meiner Blutgefäße im Augenlid zu widmen, mein Gehör aber jedem Geschrei, jedem Lachen und allen voran jedem dummen Gespräch im Wagon schutzlos ausgeliefert ist; so wie mein Sitznachbar in vier Stunden Fahrt 40 mal seinen Instagram Feed neu lädt, wenige Einträge überfliegt, zu den Reels wechselt und dies nach 5 Minuten Pause wiederholt, aber dabei über die untragbare Zeitverschwendung durch die Unpünktlichkeit der Bahn meckert; so kommt die Muße und so geht sie.
Eskapaden im Jazzclub
Jazzmusiker sein, heißt mit geschlossenen Augen seinen Trieben folgend, von Schweiß durchnässt und sabbernd in die Klaviatur zu hacken, um dann von der lokalen Bildungselite für diese stilvollste aller Affekthandlungen kultivierten Applaus zu ernten. Man müsste wohl nur eins der Mädels aus den ersten Reihen fragen, um herauszufinden, ob die Mimik des Jungen am Flügel beim Orgasmus genauso aussieht wie das aktuelle Zusammenspiel zwischen Liebe, Schmerz und Rausch in seinem Gesicht. Er bläst mir weiter seine schnellen kurz abgehackten Klaviertöne um die Ohren und sie fühlen sich die nächste Stunde an wie Fahrtwind auf dieser Spritztour meines umtriebigen Geistes.
Der Pianist redet kurz und beginnt dann zu spielen. Umso weniger ich ihm zu Beginn seine erklärenden Ansagen und die darauffolgenden ersten Melodien glaube, umso mehr werden sie für mich zu einem Lehrstück, wie man als Hedonist erzwungenen Tiefgang verkauft. Ich verdächtige ihn des lieblosen Recyclings alter Erinnerungen an vergangene Gefühle, aber weiß natürlich auch: the show must go on.
Die unscharf gewordenen Buchstaben auf dem Papier in meiner Hand anstarrend, versuche ich nicht zwischen den Zeilen der Getränkekarte zu lesen, sondern vermute die Erleuchtung eher in meinem dritten Drink. Es dauert nicht lang und besagtes Bier katapultiert mich in eine Sphäre, wo ich all mein Misstrauen gegenüber der Musik ablege, mich mit dem Fluss der Schallwellen treiben und deren Turbulenzen und Strömungen von nun an meinen Abend bestimmen lasse. Tiefer hinabsinken, bis auf den Grund dringen wird wichtiger als Atmen und die Kellnerin mit dem hübschen Lächeln weiß das, denn sie lässt regelmäßig die Luft aus meinem Glas.
Anthropokosmus. Ein Plädoyer.
Das menschliche Universumszeitalter – eine anthropokosmische Utopie für das nächste Jahrtausend
„Prognosen sind schwierig – besonders wenn sie die Zukunft betreffen“ – Karl Valentin
Die zukünftige menschliche Entwicklung mal aus einer anderen Perspektive betrachtet. Inspiriert von einem Vortrag des Futurologen Anders Sandberg vom Future of Humanity Institute in Oxford.
Milchstraße, 24. Juli 3023. Vor tausend Jahren kam auf einem kleinen Planeten in der Milchstraße die lokal dominierende Spezies ins Zeitalter des explosiven Wachstums des Einflusses technologischer Neuerungen. Nach jahrhunderttausendelanger subsistenzwirtschaftlicher Turbomaloche katapultierten einige wenige Erfindungen (Buchdruck, Dampfmaschine, Kunstdünger, Computer, KI, etc.) den Homo Sapiens innerhalb von wenigen Jahrhunderten in ein neues planetares Zeitalter. In diesem sogenannten Anthropozän verformte die Menschheit ihren Heimplaneten „Erde“ aufs Äußerste und Innerste so grundlegend, dass die Lebensgrundlage dieser obskuren Spezies an die physikalischen Limits stieß.
Nur optimistisch denkend ließ sich damals das Gedankenexperiment durchführen, dass diese Spezies sich nicht selbst auslöschen würde. Doch trotz des Unglücksfalls, dass die Evolution diese fatale Mutation der Schimpansen-DNS, die menschlichen Gene, mit charakterlichen Schwächen wie dem Egoismus ausgestattet hat, die ultimativ in Kollektivproblemen wie unkontrolliertem Klimawandel und nuklear bewaffneten Weltkriegen mündeten, verfügte die Menschheit über ein profundes Verständnis der Natur und den Willen, fatale Katastrophen abzuwenden. Zudem überraschte sie mit überaus kreativen Problemlösungsansätzen, wie dem Instrumentalisieren quantenmechanischer Phänomene, z.B. um künstliche Intelligenz in Rechenmaschinen zu erwecken.
Diese paradoxe Externalisierung der für Homo Sapiens namensgebenden Weisheit resultierte neben allen Annehmlichkeiten des nicht-mehr-denken-Müssens in einem gigantischem Energiedurst der dafür nötigen Recheneinheiten. Die damit einhergehende Form der Ressourcenknappheit wurde durch die klimatisch notwendig gewordene Einlagerung von gefrorenem CO2 und dem zunehmenden Trend zur Kryonisierung sterblicher (aber eben potentiell wiederbelebbarer) Überreste aggraviert. Trotz der erkannten Äquivalenz von Masse und Energie, reichte das energetische Angebot des Planeten Erde und der Einstrahlung des nächsten Sterns, der „Sonne“, bei Weitem nicht aus, um die wachsende Nachfrage zu stillen. Der physikalisch einzige Ausweg aus dieser Mangellage war die Interstellarität der Menschheit, um mit der Masse bzw. Energie der umgebenden Galaxien den exponentiell wachsenden Energiesog der inzwischen verselbstständigten menschlich erschaffenen Intelligenzen gerecht zu werden.
Schon bald nachdem die ersten Sterne dem Energiehunger der künstlichen Intelligenz zum Opfer gefallen waren, erkannte man jedoch, was schon seit der Entdeckung der Expansion des Universums hätte klar sein müssen: Um die maximale Menge an Galaxien und damit Energie zu erreichen, muss möglichst weit gereist werden. Jedoch ist die zurücklegbare Strecke das Produkt aus Reisegeschwindigkeit und Reisezeit, wobei die Lichtgeschwindigkeit ein natürliches Geschwindigkeitslimit darstellt und die ablaufende Zeit bis zum Fiasko der Energielosigkeit der Menschheit enorm begrenzt war. Damit einher ging die Frage, ob es effektiver sei, früher mit langsamer Technologie loszufliegen, oder besser später zu starten und dabei schneller zu reisen, aber die relativistischen Nebeneffekte der Zeitdilatation und Raumkontraktion in Kauf zu nehmen. Man entschied sich für die erstere Variante und erreichte viele Lichtjahre entfernte Galaxien, wo man begann, Planeten in stellaren Orbits zu parken, um sie später zu nutzen oder Sterne per schwerkraftassistierter Schleuder dorthin zu katapultieren, wo man die Energie braucht. Und so kam es, wie es heute ist: das komplette Universum ist durchsetzt von Energiespeicher-Galaxien aus Menschenhand, die das Auftreten des Kosmos so sehr prägen, dass diese menschliche Überformung zum größten Einflussfaktor des Weltalls geworden ist.
Deshalb votiere ich heute dafür, das gewöhnliche Schema epochaler Einordnung in anthropokratische Planetenzeitalter aufzugeben und proklamiere feierlich den Beginn eines neuen Universumszeitalters: den Anthropokosmos. ■
Komm lass uns n Ticket rauslassen,
damit wir nicht auf Kontrolleure aufpassen
und stattdessen im Bus rummachen.Kussfahrt
Verliebte Schwarzfahrer will be able to relate.
Allein hätten wir kein Schmerz,
aber jetzt lösen wir ihn zu zweit.
Yin und Yang bilden ein Herz,
doch harmonisch sind sie nur als Kreis.Attracting Opposites
Magnetic monopoles have not been observed yet.
Wenn junge Freunde
Nasen brechen
anstatt Brotkönnen alte Feinde
Blumenbeete rächen
anstatt Blut.Vergebungszickzack
Pathetisch digga
Ein stiller Krieg all dein Land verbrannt
der Sieg unmerklich viel von dir verlangt
auch wenn du nie die weiße Fahne hisst
auf der Stirn bleibt jetzt dieser tiefe Riss.Heile eine Weile
Wenn man mit dem Kopf durch einen Spiegel fällt, schneidet man sich an seinem Spiegelbild.
Die Checklist ob die Liebe echt ist
alte Gefühle, so viele, Schall und Rauch
als mit deinem Duft der erste Hauch
Luft in meine Lungen füllt: Rausch.Whiski
Weiter Schluss, oder wieder Kuss?
Der Drang nach Rausch
Ich erlitt ihn auch
Weshalb ich jetzt saufBukowski
Spitting facts.